©copyright by Thomas Mindt Sehnsuchtsvoll warte ich auf die Nacht, um endlich erneut aus meiner inneren Ruine  auferstehen zu können, zumindest ein bisschen. Der Tag ist so schrecklich gewöhnlich und  ohne Tiefe. Manchmal wünschte ich, ich könnte dem Tag falsche Wimpern ankleben, um den Stunden einen tiefgründigeren und mystischeren Blick zu verleihen. Damit würde ich  vielleicht einen erträglicheren Zugang zu der Sinnlosigkeit erlangen, und dem Vermächtnis  des Tages, dieser Leere, in irgendeiner Form etwas abgewinnen können.    Am Tag zieht sich das Leben in mir komplett zurück wie das Meer bei Ebbe. Der  Unterschied ist, dass die Flut das Wasser zurückbringt. In mir gibt es nicht den Austausch  emotionaler Gezeiten. Aber dafür lässt die Nacht mich meine Leere leichter erdulden.  Verdammte Schwermut! Schwermut ist ein lautloser Killer, der nicht mal eine Waffe braucht. Ein kleiner, leiser Tod!    Zu allem Übel habe ich kein Prozac im Haus. Das gleicht einem seelischen Tsunami! In den vergangenen Monaten habe ich das Zeug regelrecht gefressen. Ist mir egal, was andere Leute  über mich denken. Jeder normale Mensch ist heutzutage auf irgendeine Art gestört. Stimmt  schon, Trauma, Identitätskrise oder meinetwegen auch Depression klingt nicht so alarmierend und beängstigend wie irre, unzurechnungsfähig oder schizophren. Ich brauche das nicht!  Weshalb sich alles schönreden? Ich habe es gern authentisch. Ich bin eine gespaltene  Persönlichkeit und dazu stehe ich!    Dass ausgerechnet ein Antidepressivum wie Prozac mein loyaler Wegbegleiter werden  würde, hätte ich vor ein paar Jahren niemals für möglich gehalten. Als ich mir die erste Pille  reingeschmissen habe, war das ein totales Aha-Erlebnis. Ich konnte meiner Seele Flügel  überstreifen und wie eine Lichtgestalt durch die Nacht fliegen. Das war irre! Ich fühlte mich  stoned von einem all time high feeling, das meine Schwermut anfänglich auf Distanz halten  konnte. Für mich war das, als hätte man mein Inneres ausgewrungen wie einen mit  Schmutzwasser vollgesogenen Lappen. Aber irgendwann stellte sich dieses Aha-Erlebnis, ein chemisches Aufhellen der Seele, nicht mehr so stark ein wie beim ersten Mal.    Kein Prozac im Haus, nicht mal eine Kippe, Single, melancholisch, unausgelastet und  permanent am Rande des Wahnsinns: Das ist die kurze Zusammenfassung meines  verworrenen Lebens! ... Leseprobe